Parasolka-Projekte in der Ukraine

Lebenswerte Zukunft für Menschen mit einer Behinderung

Parasolka (Regenschirm) heisst zum einen das Wohnheim in Tjachiv im Oblast Transkarpatien/Ukraine - ein Pilotprojekt in der Ukraine

Parasolka heisst zum anderen der 2007 gegründete Schweizer Verein. Er organisiert mit der ukrainischen Partnerorganisation CAMZ (Comité d’Aide Médicale Zakarpattya) und weiteren Verantwortlichen vor Ort verschiedene Projekte zugunsten der Menschen mit einer Behinderung in der Ukraine, namentlich das Wohnheim Parasolka und das Heim in Vilshany.



Bilder aus dem Alltag im Wohnheim Parasolka (Fotos Valentin Klepakoff)


Aktuelles


Rundbrief Herbst 2017

Im November wird der neue Rundbrief versendet. Er vermittelt etwas aus der Fülle der Eindrücke, die der Vorstand des Vereins Parasolka von seinem Besuch in der Ukraine in der letzten Septemberwoche aus dem Wohnheim Parasolka und aus dem Heim Vilshany mitgenommen hat. Wir stellen Ihnen eine Bewohnerin des Wohnheims vor und lassen Sie am Workshop eines Teams von Ergotherapeutinnen, einer Physiotherapeutin und eines Rehatechnikers in Vilshany teilhaben, und wir berichten von unseren Kontakten in Transkarpatien.

 


September 2017   Der Vorstand des Vereins besucht die Projekte in Transkarpatien

Der Vorstand des Vereins Parasolka reiste in der letzten Septemberwoche in die Ukraine. Der Aufenthalt in Transkarpatien diente in erster Linie dazu, den Stand der Projekte aus eigener Anschaung zu prüfen, die nächsten Schritte mit der Leitung des Wohnheims Parasolka und des Heims Vilshany zu besprechen und mit unserer Partnerorganisation CAMZ eine umfassende Standortbestimmung und Planung vorzunehmen. Der Aufenthalt ermöglichte aber auch Kontakte zu wichtigen Entscheidungsträgern, welche für den Erfolg unserer Projekte eine wichtige Rolle spielen können.

 

Im nächsten Rundbrief werden wir unsere Eindrücke aus dem Wohnheim Parasolka und aus dem Heim Vilshany vermitteln sowie von unseren Kontakten in Transkarpatien berichten, und wir stellen Ihnen eine Bewohnerin des Wohnheims Parasolka vor.

 

Diesen Herbst reiste eine Vierergruppe mit dem Vorstand in die Ukraine: Claudia Leu (Physio-therapeutin), Urs Lengweiler (Rehatechniker), Doro Gnägi-Wildi und Annette Schiess-Seifert (Ergotherapeutinnen) und arbeitete während dieser Woche in Vilshany mit schwerstbehinderten Kindern. Über diesen intensiven Einsatz haben sie einen eindrücklichen Bericht verfasst:


Juli 2017     Das Wohnheim Parasolka wird selbständig

Am 27. Juli 2017 haben die Abgeordneten des Oblastjrates Transkarpatiens (dem regionalen Parlament) einstimmig beschlossen, dass das Wohnheim Parasolka eine selbständige Institution wird. Bisher bildete das Wohnheim einen Bestandteil des Heims in Vilshany.

Der Entscheid der politischen Behörde stellt einen bemerkenswerten Erfolg für das Projekt dar und sollte dafür neue Möglichkeiten und weiteres Potential für künftige Entwicklungen bieten. Die Unabhängigkeit ist auch eine Anerkennung der Arbeit unserer Partnerorganisation CAMZ und von Oksana Lukach und Bogdan Kykyna, der Leitung des Heims in Vilshany und des Wohnheims Parasolka, welche sich intensiv und lange dafür eingesetzt haben.

Ihre Arbeit ist mit dem Entscheid des Oblastjrates noch längst nicht abgeschlossen. Es gilt weitere administrative Hürden zu nehmen, was mit andauerndem Elan im Gange ist.


Monitoringsbesuch von Vertretern der ukrainischen Menschenrechtsbeauftragten in Parasolka

Am 31. Mai 2017 besuchten Vertreter des Sekretariates der Menschenrechtsbeauftragten für eine nicht angekündigte Kontrolle das Wohnheim Parasolka. Nach der Inspektion haben sie einen kurzen Medienbericht veröffentlicht:

 

In erster Linie weisen die Überwachungsführenden darauf hin, dass die Institutsleitung ihnen gegenüber maximal offen war. Es wurden alle gefragten Informationen erteilt, der Kontakt zu den Bewohnerinnen war frei gewährleistet. 

Die Überwachungsgruppe hat das gesunde psychologische Klima in der Institution beobachten können. Die BewohnerInnen sind offen für Kontakte, frei in der Kommunikation, berichten gern über eigene Erfolge, Fortschritte und Wünsche. Die Bewohnerinnen sind dauber und saisonge-mäss angezogen. Alle Zimmer sind gemütlich, dauber, mit Spielzeugen. Die Wäsche wird einmal in der Woche gewechselt.

Die Überwachungsführenden wurden informiert, dass Haupt- und Nebengebäude dank der Unterstützung von schweizerischen Sponsoren und Organisationen und der Organisation CAMZ, die das Wohnheim unterstützen, renoviert, das Gelände gestaltet und nötige Einrichtungen und Möbel für Schlafräume eingekauft wurden.

Die Bewohnerinnen der Institution werden mit 5 guten und ausgewogenen Mahlzeiten versorgt. Zum Tagesmenü gehören Fleisch und Fisch, Milchprodukte, Saisonfrüchte.

Die Mitglieder der Überwachungsgruppe haben sich vergewissert, dass in dieser Institution individuell mit jedem/jeder BewohnerIn gearbeitet wird. Die Angestellten des Wohnheims suchen nach den innovativen Arbeitsmethoden mit dem Ziel, dass die BewohnerInnen maximal selbständig ihr Leben in der Gesellschaft gestalten können. In Parasolka bestehen individuelle Förderpläne für alle BewohnerInnen, werden regelmässig Seminare und Workshops organisiert, die von ukrainischen und schweizerischen Fachleuten durchgeführt werden. In der Institution gibt es eine eigene Holzwerkstatt, Webstuhl, Filzatelier.

"Wir sind damit, was wir gesehen haben, sehr zufrieden. Es ist die einzige Institution in Transkapatien, wo die Menschen, die sich nicht selbständig um sich kümmern können, so begleitet werden, dass sie eigenes Potenzial entwickeln und sich selbst im Leben finden können. Das hilft, das Problem der Stigmatisierung von Menschen mit Behinderung zu lösen, und fördert sie bei der aktiven Teilnahme am gesellschaftlichen Leben" sagt Oleg Grigojew [regionaler Vertreter der Zusammenarbeit mit der Öffentlichkeit in Transkarpatien].

Nach der Meinung der Überwachungsführenden ist Parasolka ein wunderbares Beispiel, wie die Institutionen für Menschen mit einer Behinderung funktionieren sollen.

Der Bericht mit den Ergebnissen des Überwachungsbesuches wird an das Ministerium der Sozialpolitik der Ukraine und an die Transkarpatische Oblastverwaltung geschickt. 

 


Mai/Juni 2017   Workshops in Tjachiv undd Vilshany

Im Mai und im Juni führten Fachleute aus der Schweiz wiederum verschiedene Workshops im Wohnheim Parasolka und im Heim in Vilshany durch.

Die Workshops dienten einerseits dazu, im Heim in Vilshany die ersten Werkstätten vorzubereiten und einzurichten und die erforderlichen Kenntnisse zu vermitteln und im Wohnheim Parasolka die erfolgreichen Beschäftigungsmöglichkeiten für die Bewohnerinnen und Bewohner noch zu vertiefen.

Andererseits setzte sich in einer intensiven, eindrücklichen und zugleich befriedigenden Workshopwoche ein Team von Physiotherapeutinnen, Physiotherapeuten und einer Früherzieherin mit den immer noch schwierigen Verhältnissen in Vilshany auseinander und bewirkten mit ihren Inputs wichtige erste Veränderungen. Erfreulicherweise sind sie bereit, in weiteren Workshops ihren Einsatz weiterzuführen.

 

Nach der Rückkehr erstatteten sie dem Vorstand einen ausführlichen Bericht, der wie folgt beginnt:

 

Die Physiotherapeutinnen und die Früherzieherin haben zuerst einmal leer schlucken müssen, als sie mit den Kindern und Erwachsenen in den Schlaf- und Aufenthaltszimmern konfrontiert wurden. Obwohl sie vorbereitet waren, obwohl sie die Arbeit mit Schwerstmehrfachbehinderten bestens kennen, waren sie zuerst mal geschockt und konnten ihre Tränen kaum zurück halten. Bei den individuellen Therapien wurde ihnen dann noch mehr bewusst, was man alles hätte vorbeugen können, wenn der Lebensstart dieser Menschen unter anderen Umständen erfolgt wäre.

Vieles hat sich in Vilshany auf den ersten Blick verbessert, die Räumlichkeiten sind freundlicher, es schmeckt weniger penetrant, das Personal ist zugänglicher, aber vieles gibt es noch zu tun, um die Würde der einzelnen Kinder und Bewohner auf einen gewissen Standard zu bringen. Das Team hat sich mutig an die Arbeit gemacht und konnte mit wenigen Haltungskorrekturen, Essenpositionierungen, Vorschlägen zum Lagern etc. Lächeln auf die Gesichter der Kinder zaubern und auch das Personal zum Staunen bringen.


Rundbrief vom Frühling 2017


Vereinsversammlung vom 1. April 2017

Die 9. Vereinsversammlung vom 1. April 2017 in Rathausen, an der 43 Mitglieder sowie Gäste u.a. von der ukrainischen Partnerorganisation CAMZ teilnahmen, hat den Jahresbericht 2016 genehmigt und die Anträge des Vorstandes samt dem Budget 2017 gutgeheissen.

 

Geprägt hat die Vereinsversammlung die Verabschiedung von Monika Fischer als Präsidentin des Vereins Parasolka. Seit der Gründung des Vereins hat sie in dieser Funktion entscheidend dazu beigetragen, dass die damalige Vision eines Wohnheimes für Jugendliche mit einer Behinderung als Pilotprojekt in Transkarpatien heute erfolgreiche Realität ist und der Verein Parasolka mit seinen Aktivitäten wesentliche Impulse für die Verbesserung der Situation von Menschen mit einer Behinderung in der Ukraine setzt. Zum neuen Präsident hat die Versammlung Andreas Schmid gewählt.

 

Monika Fischer, die abtretende Präsidentin, und Andreas Schmid, der neuer Präsident von Parasolka

(Foto Astrid Bossert)