Leben im Parasolkahaus
In einem fünfwöchigen Freiwilligeneinsatz (Okt. - Nov. 2009) begleitet der pensionierte Luzerner Heilpädagoge Rolf T. Spörri das Personal und die Bewohnerinnen und Bewohner beim Einleben im Haus Parasolka. Die täglichen Fotoberichte an den Vorstand geben Einblick in die Arbeit und Bedeutung des vielseitigen Fachmannes. Die neue Wohnform auf der Basis des sozialpädagogischen Konzeptes ist trotz Einführung ungewohnt. So sind insbesondere Direktorin Oksana Lukach und die für die Pädagogik zuständige Erzieherin Luda dankbar für die Beratung hinsichtlich Tagesablauf und Strukturen usw.. Infolge verschiedener Verzögerungen legt der ausgebildete Hochbauzeichner auch ganz praktisch Hand an. Er schreibt Materiallisten für fehlende Gegenstände, notiert die Wünsche der Bewohner, montiert Spiegel und organisiert einen grösseren Müllcontainer usw. usw.. Durch sein eigenes Zupacken motiviert er die Bewohnerinnen und Bewohner zu den für sie ungewohnten Haushaltarbeiten und begleitet sie bei Ausflügen in die nahe Stadt und in den Zirkus.
Wohnhaus Parasolka eröffnet
Im Beisein zahlreicher ukrainischer Behördemitglieder, Vertretern befreundeter Institutionen und 25 Gästen aus der Schweiz wurde das Wohnhaus Parasolka in Tjachiv am 16. Oktober feierlich eröffnet.
Die Eröffnung und der Umzug waren allerdings mit einigen Schwierigkeiten verbunden. Eine der zuständigen Behörden zögerte die Bewilligung in der Hoffnung auf Schwarzgeld bis zum letzten Moment hinaus. Die einheimische Partnerorganisation CAMZ blieb standhaft und konnte schliesslich dank Intervention des Gouverneurs des Oblast Transkarpatien die Bewilligung doch noch erwirken. Vor dem Einzug ins Parasolkahaus wird das Personal von der Heilpädagogin Henny Graf ins sozialpädagogische Konzept eingeführt. Das Haus wir zum Teil mit dem in der Schweiz gesammelten und nach Transkarpatien transportierten Material eingerichtet.
Der Umzug ins neue Wohnheim wurde sorgfältig vorbereitet und gruppenweise durchgeführt. Vorher hatten die jungen Menschen sich von ihrem bisherigen Zuhause, dem Waisenhaus Vilshany, von ihren Freunden und dem gewohnten Personal mit einer Party verabschiedet.
Feierliche Eröffnung bei Parasolka-Wetter
Es war ein bewegender Moment, als am Freitagmorgen bei Parasolka-Wetter der Bus mit den künftigen Bewohnerinnen und Bewohnern im Parasolkahaus vorfuhr. Im Beisein zahlreicher Gäste und Fernsehkameras wurden zu den Nationalhymnen die Fahnen der Ukraine, der Schweiz und von Parasolka gehisst und das rot Band zerschnitten. Im Mehrzweckraum stellten CAMZ und das Parasolkateam die knapp vierjährige Entwicklung des Projektes Parasolka vor. Ruth Bussmann überbrachte eine Grussbotschaft des Direktors des Heilpädagogischen Zentrums Sunnebüel in Schüpfheim, Peter Marti. Lesja Levko verlas die Glückwünsche des ukrainischen Botschafters in der Schweiz, Ihor DIR. Gouverneur Oleg Hawaschi, Sozialminister Victor Matsola und Bürgermeister Ivan Kovach freuten sich über das Engagement für die schwächsten Glieder der ukrainischen Gesellschaft und sicherten dem Pionierprojekt ihre Unterstützung zu. Als Vertreterin des Sozialministeriums in Kiew wünschte Nataliya Schkuratowa den Bewohnerinnen und Bewohnern eine gute Zukunft im Parasolkahaus. Mit erfrischenden Liedern und berührenden Worten dankten diese für ihr neues Zuhause. Für ihr freiwilliges Engagement wurden neben CAMZ unter anderem der Parasolka-Vorstand (Monika Fischer, Henny Graf, Ruedi Iseli, Annemarie Steiner) geehrt. Die Feier fand ihren Abschluss bei einem reichhaltigen Apéro, bei dem die Dorfmusik «Hudaki» aus Nischnije Selischtsche zu Unterhaltung und zum Tanz aufspielte.
Feierliche Einsegnung des Parasolkahauses
Besuch aus der Schweiz im Waisenhaus Vilshany
25 Gäste aus der Schweiz hatten die lange Reise mit Bahn oder Flugzeug gewagt, um an der feierlichen Eröffnung des Parasolkahauses in Transkarpatien teilzunehmen. Darunter befand sich neben dem fast vollzähligen NeSTU-Vorstand auch eine Dreierdelegation des kantonalen Heilpädagogischen Zentrums Sunnebüel in Schüpfheim. Bei heftigem Schneetreiben besuchten die Gäste am Tag vor der Eröffnung das Waisenhaus in Vilshany. Sie waren schockiert und zutiefst berührt von der Lebenssituation der 197 Kinder und Jugendlichen mit einer Behinderung. In den einen Sälen lagen diese Bett an Bett mit leeren Gesichtern. Diese erstrahlten angesichts der Zuwendung und zärtlichen Berührung der Besucher. In andern Sälen sassen die kleinen Buben und Mädchen fast ohne Spielzeug und Beschäftigung am Boden. Sie rutschten den Gästen entgegen, streckten ihre Arme und wollten nicht mehr losgelassen werden. Direktor Bogdan Kykyna, erst seit dem vergangenen Juli im Amt, stellte die Situation der Waisen mit einer Behinderung in der Ukraine und das Waisenhaus mit seinen beschränkten Möglichkeiten im schwierigen wirtschaftlichen Umfeld vor. Er freute sich über das neue Zuhause für die ältesten Bewohner, die jedoch im Waisenhaus eine schmerzliche Lücke hinterlassen werden. Doch habe das Projekt Parasolka auch in Vilshany eine Entwicklung ausgelöst, meinte er mit Hinweis auf die eingeleiteten Verbesserungen.