Foto: Aleksandr Glyadyelov

Es ist noch viel zu tun!

2. GV des Vereins Parasolka mit Gästen aus Transkarpatien
Am 8. Mai 2010 fand im stimmungsvollen Rahmen des Klosters Eschenbach die 2. GV des Vereins Parasolka statt. Die 36 Anwesenden schätzten insbesonders die Präsenz und damit verbundenen direkten Informationen von Nataliya Kabatsiy und Lesja Levko von der Partnerorganisation CAMZ. Diese berichteten von der erfreulichen Entwicklung des Lebens im Haus Parasolka trotz schwierigem Umfeld. Ein grosses Stück Land wurde unter tatkräftiger Mithilfe der Bewohnerinnen und Bewohner umgegraben, um Blumen und Gemüse zur Selbstversorgung anzupflanzen. Neben den bereits vorhandenen Hasen sollen nach und nach auch Hühner, Ziegen und Schweine angeschafft werden. Eine italienische Firma zeigte sich interessiert an einer Zusammenarbeit mit dem Haus Parasolka. Ein erster Versuch, von den jungen Menschen einzelne Arbeitsschritte bei der Schuhherstellung ausführen zu lassen, ist positiv verlaufen. Die Auswertung wird zeigen, ob sich definitiv eine Zusammenarbeit ergeben wird. Es wäre eine willkommene Möglichkeit, die Bewohner sinnvoll zu beschäftigen und ihnen dank ihrer Arbeitsleistung einen kleinen Verdienst zu ermöglichen. Sämtliche geschäftliche Traktanden wurden von der Versammlung einstimmig genehmigt. Besonderes Interesse fand der mit Bildern reich illustrierte Jahresbericht. Infolge Krankheit trat Walo Spörndli aus dem Vorstand zurück. Die übrigen Vorstandsmitglieder Monika Fischer (Präsidentin und Öffentlichkeitsarbeit), Henny Graf (Heilpädagogik), Ruedi Iseli (Finanzen) und Annemarie Steiner (Fundraising und Sekretariat) wurden für zwei weitere Jahre bestätigt. Ein herzlicher Dank galt allen, die sich im Berichtsjahr ideell und finanziell für das ambitiöse Pionierprojekt Parasolka eingesetzt hatten. Einen besonderen Dank durften die Schwestern des Klosters Eschenbach für ihre Gastfreundschaft entgegennehmen. Neben dem Einblick hinter die Klostermauern waren die Anwesenden besonders beeindruckt von der humorvollen Offenheit der Klosterfrauen und den eindrücklichen Werken der beiden Künstlerinnen Schwester Luzia und Schwester Ruth.

Projektstand Mai 2010.pdf

Erfreuliche Entwicklung im Haus Parasolka

Seit dem Einzug der Bewohner ins Haus Parasolka im Oktober 2009 hat sich das Leben im Haus Parasolka trotz schwieriger Umstände kontinuierlich weiter entwickelt. Weil das Budget für das Jahr 2010 infolge der Wahlen vom Staat auf unbestimmte Zeit eingefroren wurde, ist die finanzielle Situation knapp. Doch gelingt es den Verantwortlichen, sich nach der Decke zu strecken und immer wieder das Beste aus der Sache zu machen. Der Verein Parasolka leistete finanzielle Beiträge für dringend nötige Anschaffungen und die pädagogische Arbeit.
Die für Direktorin Oksana Lukach noch ungewohnte Arbeit wird durch die CAMZ-Direktorin Nataliya Kabatsiy und ihre Stellvertreterin bei regelmässigen Besuchen begleitet und unterstützt.


Klare Strukturen und ein Taschengeld
Erfreulicherweise leistete der pensionierte Heilpädagoge Rolf T. Spörri im Februar dieses Jahres noch einmal einen zweiwöchigen freiwilligen Einsatz im Haus Parasolka. Er wurde von den Bewohnern und den Mitarbeiterinnen herzlich empfangen und war beeindruckt, wie gut der allgemeine Betrieb wie Tagesablauf, Unterricht, Freizeit und Nachtruhe klappte. Mit der Wieder-Einführung der wöchentlichen Vollersammlung bekommen die Bewohnerinnen und Bewohner die Möglichkeit, ihre Unzufriedenheit, Fragen und Wünsche direkt einzubringen. Ein zentrales Thema war auch die erstmalige Abgabe eines kleinen Taschengeldes. Die jungen Menschen können sich damit kleine persönliche Wünsche erfüllen und lernen, mit Geld umzugehen. Die von Rolf T. aufgenommenen Fotos ermöglichen nun im Haus die visuelle Darstellung verschiedener Pflichten wie Ämtli usw. sowie die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Bezugsperson.


Im Haus Parasolka gut eingelebt
Bei ihrem Aufenthalt im Haus Parasolka Ende Februar war Annemarie Steiner für die noch nötigen Anschaffungen besorgt. Mit Freude stellte sie fest, wie gut das Leben im Haus Parasolka angelaufen war und dass die Bewohner als verantwortungsbewusste, eigenständige Persönlichkeiten wahrgenommen werden. Sie schreibt: «Wie selbstverständlich funktioniert die Mithilfe beim Putzen und Abwaschen. Sogar die Mithilfe in der Betreuung der schwächeren Mitbewohner wird von einigen wahrgenommen. Man sieht grosse Fortschritte in der Entwicklung. Sie können besser zuhören, selbständiger denken und ruhig sitzen.» Ein wichtiges Erlebnis war der gemeinsame Besuch im ehemaligen Zuhause, dem Waisenhaus Vilshany. Die Wiedersehensfreude war gross, und doch kehrten alle gerne wieder ins Haus Parasolka zurück.


Begleitetes Wohnen
Erfreulicherweise wurde Sascha Mursho, einem der Parasolka-Bewohner die Fähigkeit für ein selbständiges Leben zugesprochen. Bedingung für ein unabhängiges Leben ist jedoch, dass er fest in einer Wohnung registriert ist. Gemeinsam mit den Partnern vor Ort fand Annemarie Steiner eine geeignete Wohnung. Der Vorstand des Vereins Parasolka stimmte dem Kauf zu, ist doch das begleitete externe Wohnen in der Weiterentwicklung des Projektes Parasolka vorgesehen. Die Finanzierung erfolgt über ein zielgerichtetes Fundraising. Die Verantwortlichen hoffen, dass nach dem erforderlichen Papierkram der 23-jährige Sascha Mursho in die Unabhängigkeit entlassen werden kann und auch bald eine geeignete Arbeit finden wird.


Schritte auf dem Weg zur Anerkennung
Auch Präsidentin Monika Fischer war bei ihren Besuch im April beeindruckt von der erfreulichen Entwicklung des Lebens im Haus Parasolka unter schwierigen Bedingungen. Es ist für sie ein Beispiel für die Kraft der ukrainischen Menschen, die als Überlebenskünstler gewohnt sind, immer wieder das Beste aus der Sache zu machen. Das Ziel ihrer Reise war vor allem das Knüpfen von Kontakten auf politischer Ebene. Denn noch immer steht die staatliche Anerkennung des Hauses Parasolka auf der Basis des sozialpädagogischen Konzeptes aus. Victor Matsola, Leiter der Hauptverwaltung für Arbeit und Soziale Sicherheit im Oblast TK, beteuerte einmal mehr das in der Schweiz gegebene Versprechen sich für die rechtlichen Grundlagen des Hauses Parasolka nach besten Möglichkeiten einzusetzen. Er wird sich jedenfalls für eine Experimentierphase stark machen, die es den Bewohnern von Parasolka erlaubt, zu arbeiten und Geld zu verdienen. Erfreulich verlief ebenfalls die Gespräche mit dem Schweizer Botschafter Georg Zubler und Manuel Etter, Leiter des Koordinationsbüros des DEZA und Vizeminister Sergej Bytschkov, Abteilungsleiter Internate, in der Hauptstadt Kiev. Alle sicherten Parasolka ihre Unterstützung zu, setzten, vermittelten Kontakte und wichtige Angaben, zeigten aber auch klar die Grenzen auf. Die Arbeit an den rechtlichen Grundlagen für die Anerkennung des Pionierprojektes wird weiterhin für alle Beteiligten eine Herausforderung bleiben.

Weiterbildung im Haus Parasolka
Ende April schliesslich wird die Heilpädagogin Henny Graf zusammen mit ihrer Kollegin Annelies Zbinden im Haus Parasolka neben der Weiterbildung des Personals mit einem Workshop Impulse für kreatives Gestalten vermitteln.